Was ist mein Unternehmen wert? So bewerten Investoren ein KMU
Schritt 1: das bereinigte EBITDA
Ausgangspunkt ist der Gewinn, den das Unternehmen nachhaltig erwirtschaftet. Dafür wird das EBITDA der letzten zwei bis drei Jahre und des laufenden Jahres um Sondereffekte bereinigt:
- Einmalige Posten, etwa ein Gewinn aus dem Verkauf einer Maschine oder einmalige Anwaltskosten.
- Der Inhaberlohn: Ein Lohn über oder unter dem Marktniveau wird auf das angepasst, was eine angestellte Geschäftsführung kosten würde.
- Private Kosten, die über die Firma laufen.
- Mieten: Gehört die Liegenschaft Ihnen privat, wird eine marktübliche Miete angesetzt.
Schritt 2: der Multiplikator
Das bereinigte EBITDA wird mit einem Multiplikator vervielfacht. Zur Orientierung die aktuellen Spannen für kleinere Mittelständler aus dem deutschen Markt:
| Branche | EBITDA-Multiplikator |
|---|---|
| Bau- und Ausbaugewerbe (Handwerk) | 4.4–5.8 |
| Immobiliendienstleistungen und Facility Management | 5.0–6.9 |
| Unternehmensnahe Dienstleistungen | 5.0–7.2 |
| Telekommunikation und Infrastruktur | 5.7–7.2 |
| Elektrotechnik und Elektronik | 5.7–7.6 |
| Pflege- und Gesundheitsdienstleister | 6.0–8.1 |
Quelle: DUB KMU-Multiples, Small Cap (EUR 5–50 Mio. Umsatz), Stand Q3 2026. Für Firmen unter EUR 5 Mio. Umsatz liegen die Werte tiefer, im Handwerk etwa bei 3.7–5.0. Für Schweizer KMU sind die Spannen ein brauchbarer Anhaltspunkt, ersetzen aber keine Bewertung im Einzelfall.
Wo in der Spanne Ihr Unternehmen liegt, hängt vor allem von diesen Punkten ab:
- Grösse und Wachstum der letzten Jahre
- Marge im Vergleich zur Branche
- Anteil wiederkehrender Umsätze, etwa aus Service- und Wartungsverträgen
- Abhängigkeit von einzelnen Kunden, kritisch wird es oft ab 20 Prozent des Umsatzes bei einem Kunden
- Abhängigkeit vom Inhaber und Stärke der zweiten Führungsebene
- Investitionsbedarf, etwa für Fahrzeuge, Maschinen oder IT
Schritt 3: vom Unternehmenswert zum Kaufpreis
Der Multiplikator ergibt den Unternehmenswert für das Geschäft ohne Schulden und ohne flüssige Mittel. Für den Preis der Aktien werden die Bankschulden abgezogen und die überschüssige Liquidität dazugezählt. Zusätzlich wird geprüft, ob das Umlaufvermögen auf normalem Niveau ist. Nicht betriebsnotwendiges Vermögen wie eine private Liegenschaft wird separat behandelt.
| Beispiel mit erfundenen Zahlen | CHF |
|---|---|
| Bereinigtes EBITDA | 1.5 Mio. |
| Unternehmenswert bei einem Multiplikator von 5.5 | 8.25 Mio. |
| abzüglich Bankschulden | −1.5 Mio. |
| zuzüglich überschüssige Liquidität | +0.5 Mio. |
| Kaufpreis für 100 Prozent der Aktien | 7.25 Mio. |
Andere Methoden
Ertragswert- oder DCF-Methode: Sie bewertet die künftigen Gewinne oder Zahlungsüberschüsse, abgezinst auf heute. Sie ist für grössere Unternehmen und Gutachten verbreitet, für eine erste Einschätzung aber aufwendig.
Praktikermethode: In der Schweiz bewerten die Steuerbehörden nicht kotierte Aktien für die Vermögenssteuer meist mit dieser Methode: zweimal der Ertragswert plus der Substanzwert, geteilt durch drei. Für einen Verkauf ist sie selten massgebend. Der Steuerwert kann deutlich vom Marktwert abweichen.
Wie evo Capital bewertet
Wir gehen genau so vor. Ausgangspunkt ist das bereinigte EBITDA, dazu kommen Kundenstruktur, Abhängigkeit von einzelnen Personen, Investitionsbedarf und Wachstumsmöglichkeiten. Eine erste Wertvorstellung nennen wir innert fünf Arbeitstagen nach dem Erstgespräch und erklären offen, wie sie zustande kommt.
So steigern Sie den Wert Ihres Unternehmens
- Zahlen sauber und zeitnah führen, am besten mit Monatsabschlüssen.
- Eine zweite Führungsebene aufbauen, damit der Betrieb nicht nur an Ihnen hängt.
- Die Abhängigkeit von grossen Einzelkunden verringern.
- Wiederkehrende Umsätze ausbauen, etwa mit Service- und Wartungsverträgen.
- Investitionen nicht aufschieben und private Kosten von der Firma trennen.
Häufige Fragen
Was ist eine Firma mit 1 Million EBITDA wert?
Das hängt von Branche, Grösse und Qualität des Gewinns ab. Bei einem Multiplikator von 5 beträgt der Unternehmenswert rund 5 Millionen, davon gehen die Nettoschulden ab. Bei sehr kleinen oder stark vom Inhaber abhängigen Firmen ist der Multiplikator tiefer, bei wachstumsstarken Firmen mit wiederkehrenden Umsätzen höher.
Was ist der Unterschied zwischen Unternehmenswert und Kaufpreis?
Der Unternehmenswert gilt für das Geschäft ohne Schulden und flüssige Mittel. Den Kaufpreis für die Aktien erhält man, wenn man davon die Bankschulden abzieht und die überschüssige Liquidität dazuzählt.
Welche Unterlagen braucht ein Investor für eine erste Bewertung?
Meist genügen die Jahresrechnungen der letzten drei Jahre, aktuelle Zahlen des laufenden Jahres, eine Übersicht der grössten Kunden und die Zahl der Mitarbeitenden. Für das Erstgespräch mit evo Capital brauchen Sie noch keine Unterlagen.
Warum bewerten Steueramt und Investor unterschiedlich?
Das Steueramt nutzt für die Vermögenssteuer meist die Praktikermethode, ein schematisches Verfahren. Ein Investor bewertet, was das Unternehmen künftig verdienen kann. Die beiden Werte können deutlich auseinanderliegen.
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